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Uschi Lichtenegger

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Leitbild Augarten: Unklarer Status

11.02.2009 | Demokratie, Topstory, Verkehr/Bezirksentwicklung, Kultur, Umwelt, Karmeliterviertel, Augarten, Volkertviertel

Wenig zufriedenstellend verlief die gestrige Präsentation des Endberichts zum Leitbild Augarten im Atelier Augarten. Vorab war hier schon die Geheimhaltung zu kritisieren, nur für gelade GästInnen. Viele Fragen bezüglich der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen und der weiteren Einbindung der interessierten BürgerInnen blieben unbeantwortet und eine Diskussion darüber wurde nicht zugelassen.


Für eine weitere Öffgnung des Augartens

Augarten: Die BürgerInnenbeteiligung
muss weitergehen

Im November 2006 beschloss der Wiener Gemeinderat auf Grund einer Initiative der Grünen Planungssprecherin Sabine Gretner die Erarbeitung eines Leitbilds für den Augarten und seines Umfelds (s. unten). Seinen Ursprung hatte dieser Auftrag in der Diskussion um die geplanten Augarten-Bauprojekte Konzerthalle der Sängerknaben und Datencenter im Flakturm.

Die MA21A erarbeitete mit einem Ziviltechnikerbüro unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung dieses Leitbild. Überschattet wurde der gesamte Prozess von der Entscheidung des Wirtschaftsministeriums im Dezember 2007, den Sängerknaben den Bau ihrer Konzerthalle im Augarten zu gestatten. Auch der Abschluss der Leitbilderstellung fand nicht die ungeteilte Zustimmung aller beteiligten AnrainerInnen, da es zu keiner Endredaktion des Papiers unter Einbeziehung der am Prozess teilnehmenden BürgerInnen kam und die Grundsätze des Leitbilds somit ohne die daran mitarbeitenden BürgerInnen erstellt wurden.

Das nun vorliegende Leitbild ist somit eine Sammlung mehr oder weniger realistischer Wünsche, Forderungen und Vorschläge an den Augarten und sein Umfeld. Insgesamt werden 48 Positionen zu den Themenfeldern "Umfeld und Verkehr", "Nutzungen", Ausstattung und Gestaltung" und "Betreuung, Koordination und Information" aufgelistet.

Viele dieser Positionen bzw. vorgeschlagener Maßnahmen sind begrüßenswert, viele sind aber auch nur Schlagworte, mit denen Probleme angerissen werden ohne Lösungsvorschläge zu machen.

 

Das Ergebnis des Leitbildprozesses hat unserer Meinung nach zwei gravierende Schwächen.

Erstens ist es völlig unklar, wie die bisher am Prozess beteiligten BürgerInnen an der Umsetzung des Leitbilds weiter aktiv teilnehmen können. Es ist zu wenig, sie hin und wieder per Mail über die Fortschritte der Umsetzung zu informieren und in zwei Jahren zur nächsten Infoveranstaltung einzuladen. Die BürgerInnen müssen weiterhin aktiv am Prozess teilnehmen können und darüber hinaus sollte endlich auch eine große Gruppe der NutzerInnen des Augartens, nämlich die MigrantInnen, zu diesem Prozess eingeladen werden.

Zweitens sind viele der vorgeschlagenen Maßnahmen reines Wunschdenken, die in der Realität den divergierenden Interessen der diversen Player wie Burghauptmannschaft, Bundesgärten, Bezirksvorstehungen, Wiener Linien und der Stadt Wien zum Opfer fallen zu drohen.

Nur ein paar wenige Beispiele:

– Es wird eine Radverkehrsanlage in der Rauscherstraße angeregt. Laut des Vertreters der MA21A legen sich dagegen aber bereits die Wiener Linien quer.

– Unter dem Titel Verkehrssicherheit werden im begleitenden Verkehrskonzept flächendeckende Tempo 30-Zonen in den Nachbargrätzeln angeregt. Eine Tempo 30-Zone im Karmeliterviertel wird aber bereits seit vielen Jahren von der SPÖ Leopoldstadt blockiert.

– Zugang zum Augarten über den Durchgang durch die Weisergründe. Soll jetzt zwar endlich kommen aber erst Mitte 2013, also in 4 ½ Jahren.

– Hohe Nutzungsüberlagerung im Bereich vor U-Bahn-Haltestelle Taborstraße. Viele FußgängerInnen, einige ÖV-Stationen, katastrophale Ampelschaltungen, breite Straßen, keine Bäume und Bänke. Es werden planerische Verbesserungen angeregt. Das wäre sicherlich sehr notwendig, um die Aufenthaltsqualität an diesem Platz zu verbessern. Aber leicht wird das sicher nicht, nachdem die MA28 das gesamte Fahrbahnplateau gerade erst neu gebaut hat – und das völlig überdimensioniert.

 

Nach der gestrigen Infoveranstaltung ist es leider weitgehend unklar geblieben, wie es mit dem Leitbild bzw. seiner Umsetzung weitergehen soll. Die Abgabe des Ausdrucks des 3-teiligen Konvoluts an die Fraktionen des Gemeinderats kann nicht der Abschluss sein.

Es wäre daher sehr wichtig, dass die beteiligten BürgerInnen weiterhin aktiv an der Umsetzung des Leitbilds teilnehmen, damit der Beteiligungsprozess weitergeht und die Vorschläge auch wirklich umgesetzt werden.

 

 





Dateien:
Leitbild-Augarten-endbericht-160908.pdf


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