Uschi Lichtenegger
Themenbereiche:
Klubobfrau (Kultur, Frauen, BürgerInnenbeteiligung, Augarten, Nordbahnhof, Zusammenleben)
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Eröffnung „Arnezhoferstraße – ein Straßenname als Mahnmal“
24.08.2009 | Demokratie, Topstory, Kultur, Stuwerviertel
Am 2. August wurde das Mahnmal „Arnezhoferstraße – ein Straßenname als Mahnmal“ eröffnet. Das Eröffnungsdatum soll an die Ausstellung "Der ewige Jude", die den Nationalsozialisten zur weiteren Verhetzung der Bevölkerung diente, erinnern, die am 2. August 1938, ebenfalls in der Leopoldstadt, eröffnet wurde.
Der Einladung der Hausgemeinschaft Arnezhoferstraße 7 folgten viele AnrainerInnen, aber auch Interessierte aus anderen Straßen des Stuwerviertels und aus anderen Bezirken waren zu diesem denkwürdigen Anlaß gekommen.
Anhand des Mahnmals können nun Passanten eine Zeitreise unternehmen, die sie vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart führt. In vier chronologisch geordneten, fragmentarischen Abrissen wird die Geschichte der Arnezhoferstraße erzählt. Die Episoden werden mittels sieben an die Fassade der Liegenschaft Arnezhoferstraße 7 angebrachten Tafeln erläutert.
Johann Ignaz Arnezhofer war Pfarrer, agitatorischer Antisemit und Kommissär "zur Ordnung der Israelitischen Angelegenheiten". Er organisierte 1670 im Auftrag von Kaiser Leopold I. die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus dem Ghetto "Unteres Werd", heute Teil des 2. Bezirks.
Der Ablauf
Es begrüßte Projektinitiator und –koordinator Erich Koller. Uschi Lichtenegger, Klubvorsitzender der Grünen Leopoldstadt sprach in Ihrer Rede zu politischem Antirassismus, Politikverdrossenheit und BürgerInnenbeteiligung anhand der Brennpunkte Augartenspitz, Wagenplatz in der Hafenzufahrtsstraße und der Arnezhoferstraße
„Wir haben derzeit im Bezirk mehrere Brennpunkte, die etwas gemeinsam haben. Da wie dort engagieren sich Menschen in ihrer Lebensumgebung, im sie direkt betreffenden öffentlichen Raum. Sie führen intensiv Dialog untereinander, wie ihre Umgebung aussehen soll, sind aktiv in der Gestaltung ihrer sie direkt betreffenden, gemeinsamen Umwelt … sie machen "Politik" im ganz klassischen Sinne.
Und sie machen mit ihrem Engagement, aktiv und gemeinsam ihren öffentlichen Raum zu gestalten, sehr ähnliche, sehr symptomatische Erfahrungen. Die Politik fährt über sie, die betroffenen BürgerInnen, drüber. Das heißt, die "professionalisierte" Politik, das politische Establishment, das System "Politik". Es lässt das ureigentliche politische Handeln nicht zu.
Das ist ja nicht so ungewöhnlich, passiert ja öfters. Aber das gemeinsame hier, die BürgerInnen kämpfen gegen die Beschlüsse, die von der Politik über ihre Köpfe hinweg gesetzt oder begünstigt wurden, möchten mitreden, sich einbringen und tun nun eigene Schritte.
Diese drei Beispiele engagierter, aktiver BürgerInnen im besten Wortsinn sind auch deswegen besonders hervorzuheben, weil sie sich gegen die breite Politikverdrossenheit wenden und ein leuchtendes Zeichen GEGEN diese Politikverdrossenheit darstellen. Und diese Politikverdrossenheit ist zu einem ernsten Problem von allen demokratischen Parteien geworden. Alle Parteien, auch wir Grüne, sind nicht ausgenommen von der Verantwortung, dass auch im Bezirk immer weniger Menschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen haben…
Auch wenn es „nur“ die Bezirkspolitik ist, die FPÖ hat auch in der Leopoldstadt einen fremdenfeindlichen Wahlkampf geführt. Mit dem Slogan „Abendland in Christenhand“ – darunter „Tag der Abrechnung“ – also eindeutig, mit rechter Hetze, mit Islamophobie und Antisemitismus hat die FPÖ die Stimmen verdoppelt. Oder die Ereignisse rund um 3. NR-Präsidenten? – Diese Tendenzen finden auch hier im Bezirk ihre Fortsetzung, im Augarten war über eine Woche ein Hakenkreuz auf den Asphalt aufgesprüht zu sehen, bevor es entfernt wurde, eine rechtsextremistische Musikgruppe spielte vor kurzem in einem Lokal im 2. Bezirk und im Vorfeld wurden die TeilnehmerInnen gebeten, keine Heil-Hitler-Abzeichen zu tragen. Oder zwei Hakenkreuze wurden von einem Journalisten von Radio Orange der Burghauptmannschaft gemeldet, das Hakenkreuz von der Hofburg wurde sofort entfernt, im Augarten war es Wochen danach noch zu sehen...
Zusammengefasst, es ist aber für uns nicht unbedingt ein Kampf gegen rechts, sondern für mehr Demokratie. Wir werden die Strategie der FPÖ nicht ändern können, die ist seit mehr als 20 Jahren ein- und diesselbe. Wir sind aber überzeugt, dass eine Beschwichtigungspolitik gegenüber Strache & Co das Gegenteil von dem bewirkt, was sich die SPÖ davon erhofft.
Wir bekennen uns zu einer aktiven antirassistische und antifaschistische Politik im Bezirk. Es ist für uns eine Notwendigkeit, eben der Beschwichtigungspolitik der SPÖ gegenüber der FPÖ entgegenzutreten.“
Arisierungen gehören genauso zum Stuwerviertel
Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger, dem die Sache Arnezhofer schon seit 15 Jahren vertraut ist, er hat 1994 den ersten Umbenennungsantrag für die Arnezhoferstraße eingebracht, nahm Bezug auf Ehrung durch den antisemitischen Bürgermeister Lueger. Weiters thematisierte er die arisierten Wohnungen, die nicht oder nur nach langen Verfahren an die früheren BesitzerInnen oder deren Erben zurückgegeben wurden. Mehr als 2.000 Kündigungsverfahren gab es alleine in Gemeindebauten 1938 und 1939 gegen jüdische Mieter von der NS-Stadtverwaltung. – Die Wohnungen und Lokale der Juden waren begehrte Objekte. – Auch wenn viele Restitutionsverfahren positiv für Erben ausgingen, viele erlebten es nicht, weil so lange geprüft (verzögert) wurde. Noch kein Verfahren gibt es z.B. zum Grund des Hochhauses am Praterstern, wo die SPÖ Leopoldstadt ihren Sitz hat…
Nach dem Festakt sprach sich weiters Dechant Ferenc Simon, kath. Pfarre Am Tabor, vom Koordinierungsausschuss der jüdisch-christlichen Zusammenarbeit der Erzdiözese Wien für eine Namensänderung aus.
Eine kulinarische Pause mit Essen vom Old Bridge (Mostar Style Barbecue) wurde gerade richtig von einem Sturm gestoppt. Es sprach Erich Koller mit Jan Tabor im Lokativ. „Die Juden von Šafov“ - Jan Tabor ging auf Spurensuche der Wiener Juden nach ihrer Vertreibung 1670 und brachte Bilder vom Weinviertel und Tschechien.
Im Lokativ war danach noch Musik mit DJs angesagt. – Ein großes Dankeschön an alle Mitwirkenden, besonders Erich Koller, Karl Öllinger und der Hausgemeinschaft Arnezhoferstraße 7 und an das Lokativ.
Webalbum mit vielen Fotos der Eröffnung des Mahnmals in der Arnezhoferstraße.
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