Frauen auf die Rückseite, den Männern gehört der Haupteingang
24.03.2009 | Demokratie, Topstory, Kultur, Handelskai, Frauen
Die SPÖ-Herrenriege bedient weiter die altgedienten Rollenklischees - SPÖ-Frauen, wo ist Euer Aufschrei???
Zwei Straßenbenennungen sollen heute in der Bezirksvertretung auf Antrag von SPÖ, ÖVP und FPÖ beschlossen werden, nämlich beim im Bau befindlichen künftigen Sitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Wien 2, Bereich Handelskai 348
„Die Verkehrsfläche befindet sich an der Rückseite des derzeit in Bau befindlichen, künftigen Sitzes des ÖGB.“ Für diese Rückseite vorgesehen: Wilhelmine-Moik-Platz nach der Gewerkschafterin Wilhelmine Moik, die 1927 zur Vorsitzenden des gewerkschaftlichen Frauenreferats gewählt wurde und nach dem Februar 1934 als Funktionärin der illegalen Gewerkschaft wiederholt in Haft war, auch von 1938 bis 1941 und 1944 in Gestapo-Gewahrsam. Nach 1945 wurde sie ÖGB-Frauenvorsitzende, Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen (1948-1963) und Abgeordnete zum Nationalrat (1945-1962), wo sie sich besonders für die sozialen und rechtlichen Forderungen der Frauen einsetzte und war bei der Errichtung der Volkshilfe aktiv beteiligt (aus dem Antragstext der SPÖ).
Wilhelmine Moik war eine der bedeutendsten Frauen in der Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. Ihr bewegtes Leben ist in der Biographie von Agnes Broessler “Es hat sich alles mehr um´s Politische gehandelt. Wilhelmine Moik. Ein Leben für die gewerkschaftliche Frauenpolitik” (ÖGB-Verlag 2006) dargestellt.
Wenn die SPÖ diese Frau auf die Rückseite des neuen Gewerkschaftshauses verbannen will, soll sie doch ehrlich sein und auch gleich wieder unterschiedlichen Eingänge einführen: Haupteingang für die Männer, die Frauen dürfen auf der Rückseite das Haus betreten…
Nichts hat die SPÖ mit Gender Mainstreaming am Hut, wie wir eigentlich eh schon wissen, aber es sei Ihnen nochmals gesagt, dass das von der Politik gefordert wird! Es geht um die Veränderung der geschlechterspezifischen Machtstrukturen und deren Rahmenbedingungen. Es geht um Gender-Gleichheit, um gleiche Sichtbarkeit! - Und Frauen werden nach wie vor in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, beziehen geringeres Einkommen, bekommen die Hauptlast der unbezahlten Arbeit zugeteilt und werden bei einer Straßenbenennung auf die Rückseite von Häusern verbannt.
Nun komme ich zur 2. Benennung:
„Der Haupteingang zum künftigen Sitz des ÖGB wird an dieser unbenannten Verkehrsfläche situiert, welche Johann Böhm, dem 1. Präsident des im April 1945 neu gegründeten ÖGB gewidmet werden soll.“
Merken Sie die Sprache, bei der Frau wird der Ort benannt, dem Mann wird blumig gewidmet…
Diese Anträge, die Rückseite des neuen ÖGB-Hauses nach Wilhelmine Moik und den Haupteingang nach Leopold Böhm zu benennen, können wir deshalb nicht zu unseren machen und so bleibt die Antragstellung der SPÖ, der ÖVP und der FPÖ vorbehalten.
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