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Uschi Lichtenegger

Uschi Lichtenegger
Themenbereiche:
Klubobfrau (Kultur, Frauen, BürgerInnenbeteiligung, Augarten, Nordbahnhof, Zusammenleben)

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Symbolische Straßenbenennung am Nordbahnhof nach Friedl Dicker!

06.08.2008 | Demokratie, Topstory, Kultur, Nordbahnhof, Frauen

Seit Jahren wird von den Grünen Leopoldstadt gefordert, bei den Straßenbenennungen im Nordbahnviertel auf die Geschichte des Nordbahnhofs, als Ort der Ermordung und Deportation von Tausenden Juden, einzugehen. Doch SPÖ und ÖVP wollen die Straßen lieber nach BezirkspolitikerInnen benennen. Deshalb haben die Grünen vor kurzem eine symbolische Straßenbenennung am Nordbahnhof durchgeführt.


Straßennamen sind wichtige Symbole

Am Nordbahnhof wird eine Stadt in der Stadt gebaut, 20.000 Menschen sollen in wenigen Jahren hier leben und arbeiten, ein großer Park, ein Geriatriezentrum, eine Bike-City, Schulen, Gewerbetriebe und vieles anders mehr wird hier geschaffen. Straßen und Alleen sind im Bau, auch eine Straßenbahn soll durch das Gelände fahren.

Umso wichtiger ist es in einem „neuen“ Stadtteil, auch auf die Geschichte einzugehen und Identität zu schaffen. Wir wollen, dass die Straßen dieses neuen Stadtgebiets konsequent nach Opfern des Nationalsozialismus und wesentlichen Personen des jüdischen Lebens im 2. Bezirk benannt werden. Typisch für SPÖ und ÖVP ist, dass sie die Chance, die Erinnerung an die grausame Geschichte des Nordbahnviertels in der Gegenwart zu verankern, vergibt. Stattdessen sollen die Straßen nach BezirkspolitikerInnen benannt werden. So wurde bei der Bezirksvertretung am 18.12.2007 mit den Stimmen der SPÖ und ÖVP die Neubenennung in Fritz-Plasser-Gasse, einem ÖVP-Wirtschaftsfunktionär und -Bezirkspolitiker (1923-1996), beschlossen.

Benennung nach Frauen

Eine weitere Forderung der Grünen ist, öffentlichen Raum vorrangig nach Frauen zu benennen. Frauen muss endlich Platz im öffentlichen Raum gegeben werden. Dies wird derzeit noch erfolgreich durch die männliche Machtpolitik von rot und schwarz verhindert. Aus diesem Grund wurde von den Grünen der Leopoldstadt die Künstlerin und Architektin Friedl Dicker für die symbolische Straßenbenennung ausgewählt. Die KZ-Insassin schaffte das Unglaubliche, in dem sie in Theresienstadt die noch heute bedeutsamen Kindermalkurse organisierte. Friedl Dicker steht aber auch exemplarisch für Tausende von ermordeten und deportierten Juden.

Es ist höchste Zeit, dass fast 65 Jahre nach der Ermordung in Auschwitz in ihrer Heimatstadt Wien eine Straße nach Friedl Dicker benannt wird. Und es soll eine Straße auf dem Nordbahnhof sein, denn von dort wurden ab 1943 Kinder aus dem Sammellager in der Tempelgasse nach Theresienstadt deportiert.

Jüdisches Erbe in der Leopoldstadt

Die Leopoldstadt hatte den größten Anteil an jüdischer Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg aufzuweisen, von der Gestapo wurden Sammellager eingerichtet, von denen die Deportation der Menschen in die Konzentrationslager erfolgte. In der Tempelgasse (damals Mohapgasse) befand sich das israelitische Kinderheim, das als Sammellager für Kinder von den Nazis missbraucht wurde, deren Deportation von dort weg in die Konzentrationslager erfolgte. Ab 1943 erfolgte die Deportation vom Nordbahnhof nach Theresienstadt.

Der Nordbahnhof spielte aber auch schon früher eine wichtige Rolle für spätere jüdische BewohnerInnen in der Leopoldstadt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges flüchteten nach russischen Vorstößen 60.000 Menschen aus Lemberg. Später kamen aus dem Gebiet Galizien und Bukowina an die 500.000, unter Ihnen viele Juden. Rund 70.000 fanden in der Leopoldstadt und in der Brigittenau Unterschlupf.

 

Vorschläge der Grünen für Straßenbenennungen am Nordbahnhof

Friedl Dicker – Künstlerin, Architektin, organisierte Kindermalkurse im KZ Theresienstadt, geboren am 30.07.1898 in Wien, gestorben am 9.10.1944 in Auschwitz.

 

Elisabeth Freundlich – Schriftstellerin, geboren am 21.7.1906 Wien, gestorben am 25.1.2001 in Wien.

 

Erich Fried – Lyriker, Übersetzer und Essayist, geboren am 6.05.1921 in Wien, gestorben am 22.11.1988 in Baden-Baden.

 

Anitta Müller-Cohen – Feministin, Sozialarbeiterin, Zionistin, geboren 1890 in Wien, gestorben 1962 in Israel.

 

Bertha Singer, geb. Krumholz – Wiederstandskämpferin, geboren am 5.09.1880, gestorben am 29.03.1943 in Theresienstadt.

 

Elisabeth Werdisheim – wegen „Rassenschande“ festgenommen, geboren am 23.11.1900, gestorben am 30.04.1942 in Bernburg an der Saale.

 

 







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