Brauchen wir wirklich einen unechten Gratiskindergarten oder endlich das Recht auf einen Kindergartenplatz?
25.03.2009 | Topstory, Soziales/Gesundheit, Frauen
Noch 2009 wird von der SPÖ Wien großspurig der „Gratiskindergarten“ versprochen. Dass es auch alle wirklich mitbekommen, war der Regierungspartei ziemlich viel Werbegeld wert. Jetzt stellt sich heraus: Alles nur vorgezogene Wahlversprechen und in diesem Fall leider wieder Wahllügen.
Im online-Standard werden die Bedingungen für einen Gratis-Kindergartenplatz beschrieben. Gratis können jene Eltern den Kindergarten benützen, wenn sie auch brav arbeiten. Sonst müssen sie zahlen. Was geht da in den Köpfen der EntscheidungsträgerInnen vor? Wenn ich keine Arbeit habe, also finanziell schlechter gestellt bin, soll ich zahlen? Wenn ich gut verdiene, bekomme ich die Kinderbetreuung gratis? Die teuren Kindergartenkosten haben bisher dazu geführt, dass kaum jemand den ganzen Betrag zahlen musste. Vielleicht war das der SPÖ zu viel Administration, deswegen wollen sie das nur noch den ärmeren Eltern zumuten, und jene, die in diesen Zeiten noch Arbeit haben, werde hofiert. UND man(n) konnte eine tolle Schlagzeile hinausjagen. In Zeiten, in denen schlechter gestellte Bevölkerungsschichten immer ärmer werden, in denen immer mehr Sozialmärkte benötigt werden, ist diese Ansage zynisch. Herr Häupl, drehen Sie ihr trauriges Konzept einfach um. Menschen ohne Arbeit haben den Anspruch auf Gratiskindergärten, und Menschen, die gut verdienen, sollen zahlen. Das würde zumindest irgendeinen Sinn machen.
Wenn Frauen eine Arbeitszusage haben, dann werden sie für einen Kindergartenplatz weiterhin vorgereiht, wird versprochen. Ich kenne dieses Spiel von vielen Frauen, die in dieser Schleife verzweifeln. Solange das Kind nicht im Kindergarten ist, haben sie das Nachsehen am Arbeitsmarkt. Wenn sie einen Kindergartenplatz vorweisen können, dann nimmt sie ein potenzieller Arbeitgeber eher auf. Aber sie bekommen ja keinen Kindergartenplatz, weil sie keine Arbeit haben. Das ist ein alter Hut in Wien und bleibt auch so.
Außerdem, arbeitssuchende Frauen sind nicht automatisch den ganzen Tag für ihre Kinder da. Wo leben denn die Herren Häupl & Co? Kindergärten haben eine gesellschaftliche Aufgabe und sind nicht als Ersatzeltern gedacht.
Um tatsächlich eine Erleichterung für alle Beteiligten zu gewährleisten, fordern die Grünen ein Recht auf einen Kindergartenplatz. Eltern müssen wissen, dass ihr Kind im Falle einer Arbeitsmöglichkeit und auch sonst gut versorgt ist. Jetzt - auch mit „Gratiskindergarten“ - werden Frauen im Kreis geschickt. Sie werden weiter in die Armutsfalle getrieben, sie werden von den Regierenden allein gelassen UND was vielleicht am allerschlimmsten ist: auf dem Rücken der Frauen versucht die absolutistische und offensichtlich sexistische Stadtregierung die nächste Wienwahl zu gewinnen. Die SPÖ sollten wir eigentlich ZPÖ nennen _ Zynischste Partei Österreichs.
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