Frauen widersprechen…
dem rückwärts gewandten Geschichtsverständnis von Schwarz-Blau-Orange
Am Donnerstag, den 26. Oktober, wurde der österreichische Staatsfeiertag begangen. Meistens und fast überall - wie üblich. Neben den herkömmlichen Veranstaltungen wie der Öffnung der Hofburg für die Menschen (diesmal mit Publikumsliebling Heinz Fischer), die Öffnung des Parlaments (das letzte mal mit Selbstdarsteller Andreas Khol) und vieles mehr. Am Heldenplatz fand das Bundesheer wieder sein Publikum. Alles wie gehabt. Nein, nicht alles wie immer, denn in einer kleinen Galerie im Stuwerviertel, da kämpfen die Grünen Frauen gegen das rückwärts gewandte Geschichtsverständnis von Schwarz-Blau-Orange.
Eingeladen waren Eva Blimlinger (Historikerin), Sylvia Köchl (Politikwissenschafterin) und Gitti Schimmerl (Grüne SeniorInnen). Und wie immer im Zuge der Reihe „Frauen widersprechen…“ war der Abend sehr spannend und sehr lehrreich.
Die so genannten Trümmerfrauen wurden letztes Jahr im Rahmen des Gedenkjahres 50 Jahre Österreich geehrt, oder was sich die schwarz-blaue-orange Regierung darunter vorstellte. Eva Blimlinger klärt über die Kriterien auf. Eine Frau, die in den Anspruch der Entschädigung kommen wollte, musste bis 1930 geboren sein und bis 1950 zumindest ein Kind bekommen haben. Also doch nicht alle Frauen? Nein, nur Mütter. Nun gut, das ist ja in der guten Tradition der Nationalsozialisten. Frauen, die in den Kriegswirren oder danach keine Männer fanden und sich schwängern ließen, waren irgendwie keine richtigen Frauen - auch nach Ansicht der Wendepolitiker im Jahre 2005. Und somit auch nicht mit 300;-- Euro (in Worten: dreihundert Euro) „beschenkt“. Einmalig – natürlich! Wer waren diese so genannten Trümmerfrauen? Nun, so Blimlinger, gleich nach dem Krieg waren sie belastete und minderbelastete Nazis, die von den Besatzern zum Strafdienst zwangsverpflichtet wurden. Später kamen auch die Frauen dazu, die sich die Lebensmittelmarken verdienen wollten, und welche, die einfach versuchten, Übriggebliebenes aus ihren Wohnung aufzustöbern. Es heißt also, wie so oft: Bitte, genauer hinschauen!
Sylvia Köchl ist u.a. Aktivistin der „Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen". Sie schaut mit Skepsis auf die Zukunft, wo es all die Stimmen nicht mehr geben wird, die das verzerrte Geschichtsbild in Österreich zurecht rücken. 1995 wurde der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus eingerichtet. Aber die Opfer wurden noch nicht ausbezahlt. Lediglich ca. ¼ des auszuzahlenden Betrages ist bis heute an die Opfer gegangen. Wie kommt das? Die Regierung prahlt in der Öffentlichkeit endlich einen aufrechten Zugang zu den Opfern des Nationalsozialismus zu haben, und wenn man genauer hinschaut… Ja, auch hier gilt: bitte genauer hinschauen!
Die Grüne Seniorin Gitti Schimmerl sieht auch genau hin. "Wir sind ZeitzeugInnen", ein Schriftdokument der Schreibwerkstatt hat sie mit FreundInnen publiziert. Sie geht sehr sensibel mit dem Erfahrenen um. Sie weiß, Geschichten, oft und oft erzählt, verschwimmen, gleichen sich an. So erfahren wir einmal mehr von den wurmstichigen Erbsen, die im Mai 1945 von den Sowjets an die Wiener Bevölkerung verteilt worden sind. Mittlerweile ein Synonym für die .. ja, wofür nun? Für manche war es die Bösartigkeit der Russen, die sich am Leid der WienerInnen unterhalten haben. Für andere war es die Großzügigkeit der Sowjets, die selbst nichts zu essen hatten, und trotzdem abgaben. Ja, ich glaube, diese Geschichte hat im Kalten Krieg sicher seine negative Färbung bekommen. Und wieder sind wir bei dem Satz: Bitte, genauer hinschauen!
Diese Veranstaltung am 26. Oktober war die letzte der Reihe „Frauen widersprechen…“ Acht Wochen lang, waren die grünen Frauen Leopoldstadt in Aktion, haben diskutiert, geplaudert, aufgeklärt und manchmal auch geholfen. Ich habe alle Veranstaltungen, bis auf eine, besucht, und dazu einen Bericht geschrieben. Ich habe interessante Beiträge zu verschiedenen Themen gehört und interessante Frauen kennen gelernt sowie ein engagiertes Publikum gesehen. Diese Veranstaltungsreihe steht mittlerweile schon in guter Tradition. Im Herbst 2005 gab es von den Grünen Frauen die Reihe „Frauen(hinter)fragen“ und ich persönlich freu mich schon auf den Herbst 2007, in dem die Frauen sicher wieder aktuelle Themen aufgreifen. In der Zwischenzeit bin ich gespannt, wer am 8. März die „Frau des Jahres 2007“ wird, auch konzeptiert und organisiert von den Grünen Frauen Leopoldstadt
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