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Ulrike Böhmdorfer

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Warum braucht die Polizei bei einem ausschließlich niederösterreichischen Fall die Hilfe eines Vorarlberger Bergbauerns?

04.05.2008 | Topstory, Frauen

Die Öffentlichkeit, die der so genannten Inzestfall aus Amstetten erfährt, zeigt eine Entwicklung, die äußerst fragwürdig ist und in eine Richtung zeigt, die mehr als bedenklich ist.


Die Veröffentlichung des Fotos des Täters Josef F. ist nicht nachvollziehbar. Die Polizei hat es so erklärt, dass sie Aussagen von Menschen braucht, die den mutmaßlichen Täter kennen. Warum? Warum hat sie nicht vorerst die Aussagen (Josef F. ist ja geständig) ganz einfach überprüft? Warum braucht sie womöglich einen Vorarlberger Bergbauern zur Lösung dieses Falles? Warum braucht sie über 2 Millionen Wiener dafür? Warum wird dieser ganze Fall in seiner Unerträglichkeit und Schaurigkeit zu diesem Moment (und zwar seit der ersten Minute) der Öffentlichkeit preisgegeben?

Polizisten, Staatsanwälte und selbsternannten Spezialisten, die der Presse Rede und Antwort stehen, kennen wir Österreicher aus Amerika. Jetzt zieht diese Unart auch in unser Land ein. Der Täter Josef F. wird mit Foto der Öffentlichkeit vorgesetzt, die Opfer werden namentlich als Familie F. genannt. Wo ist hier der Schutz der Opfer? Warum kennen plötzlich über 7 Millionen Österreicher die Adresse dieser Familie?

Der Aufklärung des Falles hilft das alles nicht. Die Menschen in Österreich werden mit einer Grauslichkeit beschäftigt und sie werden, so ist meine Vermutung, von dem abgelenkt, was wirklich wichtig ist. In Amerika hilft dieses Vorgehen schon lange, die Menschen dumm und beschäftigt zu halten. Das Schwarze Innenministerium, in Person von Günther Platter, hat sich nun wohl auch entschlossen, in Österreich diesen Weg zu gehen.

Was hindert die Polizei daran, diesen Fall genau so zu behandeln, wie andere weniger spektakuläre Fälle. Josef F. hat sich im kleinsten Kreis bewegt und genau dort sind die Antworten zu finden. Die Ausrede der Exekutive, sie bräuchten unsere (meine? Ihre?) Mithilfe in diesem Fall, ist scheinheilig. Die Wellen, die die Öffentlichmachung weltweit schlagen, werden jetzt vom Bundeskanzler verurteilt, und er bedauert das schlecht Image Österreichs in der Welt. Wenn man (der Innenminister) mit Kräften, die man nicht kontrollieren kann (den Medien) zusammen arbeitet, dann sollte man besser wissen, was man tut und nicht pfuschen. Denn Pfusch ist das, was hier passiert.

So, jetzt haben wir nun einmal die Öffentlichkeit. Was im EU Vertrag drinnen steht, wissen wir nicht, aber die Familie F. kennen wir alle. Traurig genug. Jetzt kommt auch noch dazu, dass die Polizisten und Kriminalbeamten ein sehr seltsames Bild des Täters zeichnen. Die Kriminalisten und Politiker (alles Männer), die hier vor die Kameras und Mikrofone treten, sind es nicht gewohnt, und glauben, sie könnten so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das hat zur Folge, dass dieser Josef F. wie folgt beschrieben wird: „geniales Hirn“, „perfekter Handwerker“ oder „sexuell potenter Mann“. Dies sind die Zuschreibungen von Männern. Denn irgendwie können sie sich offensichtlich nicht dazu durchringen, die unglaubliche Frauenfeindlichkeit, die den Aktionen von F. immanent ist, zu beschreiben. Sogar von „etwas Menschlichkeit“ ist die Rede, weil man jetzt draufgekommen ist, dass F. im Falle seines Ablebens eine Zeitschaltuhr in die Verliestür eingebaut hat. So wie Günther Platter pfuscht, so pfuschen seine Weisungsgebundenen. Diese Aussagen sind unerträglich. Einmal in die Öffentlichkeit gebracht, wissen die Beamten nicht damit umzugehen. Sie verwechseln Ermittlungsgegenständliches mit eigenen Meinungen, finden sich selbst wahnsinnig wichtig, weil die Medien um ein Interview anstellen und verbreiten Widerliches.

Josef F. hat das gemacht, was in unserer Gesellschaft im geringeren Ausmaß durchaus üblich ist. Die Verachtung von Frauen, die Eingrenzung von Frauen auf ihren privaten Haushalt, die Annahme, dass eine Frau sexuell zu Verfügung zu stehen hat, der Glaube, dass eine Frau nicht aufzumucken hat und nur zum Wohle des Mannes dient. Nun, ein bisschen werden das die Beamten alle verstehen, deswegen haben wir das „geniale Hirn“  Josef F. durch die Medien geistern.

Und noch ein Wort zum „sexuell potenten Mann“! Ich möchte wissen, wer das gesagt hat. Wenn ich mir das Foto anschaue, dann gehe ich davon aus, dass keine einzige Frau Josef F. als „sexuell potent“ bezeichnet. Waren das wieder Männer, die Josef F. „eh“ seiner Sexualität versicherten? Das Foto kann es nicht gewesen sein, also war es der Umgang mit Josef F.? Jemand, der einschüchternd, despotisch und selbstherrlich durchs Leben stapft? Das würde unterstellen, dass Frauen Despoten sexuell interessant finden. Irrtum meine Herren, Frauen und Männer haben Angst vor despotischen, selbstherrlichen Männern. Und Angst wiederum hat überhaupt nichts mit Sexualität zu tun, sondern, wenn Sie schon so wollen, manchmal mit Vergewaltigung. Wie kommt die Mähr von dem „sexuell potenten Mann“ in die Medien?

Ich gehe davon aus, dass hier wieder einmal viel zu viele Männer am Ruder sind. Sie spinnen sich ihre eigene Welt, machen sich ihr eigenes Bild und veröffentlichen es als Gemeinplatz. Kein Beamter hätte Frau Blauensteiner als sexuell attraktiv bezeichnet. Eine 60 jährige Frau – das war allen klar – ist das nicht, auch wenn sie von ihren Männern oft geheiratet wurde. Aber dieser alte grausame Tattergreis, der seine Tochter vergewaltigt, der soll es gewesen sein?

Ich hoffe, es gibt viele Frauen, die sich dieser Berichterstattung entgegen stellen. Die privat und öffentlich ihre Meinung über diesen Fall kundtun. Ich hoffe, es gibt viele Frauen, die, die  Charakterisierung Josef F. betreffend, öffentlich widersprechen. Ich hoffe, es gibt auch in der Polizei und unter den Beamten endlich genug Frauen an den Positionen, die es schaffen, eine Öffentlichkeit zu erzeugen, die nicht mit solch einer männlichen und widerlichen Schlagseite daher kommt.







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