Umweltmusterstadt Wien?
13.09.2005 | Soziales/Gesundheit, Umwelt, Stuwerviertel
Die Grünen haben in den vergangenen Tagen Feinstaubmessungen in der Leopoldstadt durchgeführt. Die Messungen zeigten, dass einige Plätze höchst belastet sind und dass generell bereits im August – außerhalb der "Feinstaubsaison" - schon hohe Feinstaubwerte, zum Teil weit über dem Grenzwert, gemessen werden.
Von den derzeit betriebenen ist die Messstelle Taborstraße die am höchsten belastete. Gerade die Messwerte dieser Stelle werden aber im Internet nicht online veröffentlicht. Die Messstelle ist seit März im Betrieb und trotz mehrfacher Zusage sind die Werte noch immer nicht online abrufbar! Vor dem Kindertagesheim in der Venedigerau wurden Werte bis 220 µg/m3 gemessen. Gerade noch erträglich wären Messwerte bis 50 µg/m3 TMW. Die Belastung der Luft mit Schadstoffen hat aber nachweislichen Einfluss vor allem auf die Gesundheit von Kindern.
Feinstaub schadet unseren Kindern
Kinder sind gegenüber Luftschadstoffen allein deshalb empfindlicher als Erwachsene, weil ihr Atemvolumen bezogen auf das Körpergewicht etwa doppelt so hoch ist. Bezogen auf ihr Gewicht atmen sie bei gleicher Luftbelastung doppelt so viele Schadstoffe ein. Vor allem Kleinkinder sind eine Risikogruppe, weil ihre Nase näher am Boden bzw. an den Auspuffgasen ist.
Kinder die in der Nähe von verkehrsreichen Straßen leben, haben ein doppelt so hohes Risiko unter Atemwegsproblemen zu leiden, als Altersgenossen die an verkehrsberuhigten Straßen wohnen.
Weltweit betreffen 40 % der umweltbedingten Erkrankungen Kinder unter 5 Jahren. Kinder sind eine besonders gefährdete Gruppe, da die chronischen Belastungen frühzeitig einsetzen und langfristige Folgen haben.
Der Gesundheit unserer Kinder und Enkelkinder kommt eine hohe Vorrangstellung zu, weit über kurzfristige Gewinne und wirtschaftliche Vorteile hinaus!
- Durch geeignete Maßnahmen (Parkraumbewirtschaftung, Ausbau der Öffis und der Radwege) muss der Autoverkehr im Bezirk zurückgedrängt werden.
- Umwandlung von Straßenverkehrsflächen in öffentliche Räume, in denen Kinder gefahrlos mobil sein und spielen können.
- Rigorose Fahrverbote bei der Überschreitung von Schadstoffgrenzwerten (Feinstaub, bodennahes Ozon) sowie Tempolimits zur Schadstoffreduktion
- Konsequente Umsetzung von Nacht- und Wochenendfahrverboten für den LKW-Verkehr
- Da gerade Dieselfahrzeuge besonders gesundheitsschädlich sind, muss es zum Einbau von Dieselrussfiltern kommen
Das Immissionsgesetz – Luft (IG-L) sieht für Feinstaub folgende Grenzwerte vor:
- Tagesmittelwert 50 µg/m3 – pro Kalenderjahr ist eine bestimmte Anzahl an Überschreitungen (2004:35; 2005 – 2009: 30; ab 2010: 25) zulässig.
- Jahresmittelwert 40 µg/m3
Hauptverursacher des Feinstaubs ist der Straßenverkehr, Abriebemissionen von Bremsen, Straßen, Reifen so wie Wiederaufwirbelung verursachen zwei Drittel der Belastungen. Gleich danach kommen diffuse Emissionen aus Baustellen und Gewerbe (20 %).
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