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Ulrike Böhmdorfer

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Frauen widersprechen…
… der herrschenden Politik in Fragen der Planung

22.10.2006 | Topstory, Nordbahnhof, Frauen

Das Nordbahnhofgelände zwischen Lassallestraße und Vorgartenstraße ist ein Dschungel mit U-Bahnanschluss. Das erfuhr die Spaziergängergruppe letzten Mittwoch, am 18. Oktober, die sich durch das unwegsame aber faszinierende Gebiet bewegte.


Organisiert wurde der Spaziergang von den Grünen Leopoldstadt. Gustav Böhm hat die Gruppe geführt. Er kennt das Gebiet sehr gut, denn er nutzt es für seine Erholung einerseits und für seine künstlerische Arbeit. Von außen sieht das Gebiet etwas verwahrlost aus. Wenn man sich aber hineintraut, findet man neben dem fantastischen Dschungel, Gebäude aus längst vergangenen Zeiten, Türme, Hallen, die "alm", ein kleiner Unterstand, und wenn man regelmäßig dort ist, kann man auch manchmal Kleintiere beobachten. Mit viel Glück sieht man sogar ein Reh. Ja, das gibt es am Nordbahnhofgelände alles, und es ist spannend die Gegend dort zu entdecken.

Aber Bezirksrätin Gerda Medek hat vor längerer Zeit auch etwas anderes entdeckt. Das Gelände ist hochgradig kontaminiert. Das Gelände, das der ÖBB gehört, ist durch verschiedene Industrieunfälle und durch die Gleise von der ÖBB stark verseucht. Auf der Suche nach einer Erklärung landete Gerda Medek oft vor verschlossenen Türen. Die Verschmutzung und Vergiftung ist mittlerweile ins Grundwasser vorgedrungen und hört nicht auf, sich auszubreiten, auch in die umliegenden Gebiete. Die ÖBB versucht das Grundstück so teuer wie möglich an die Stadt Wien zu verkaufen, aber wer eine Sanierung zahlen soll, ist nicht klar.

Die beginnende Bebauung ist an den Rändern längst sichtbar. Die Bürohäuser an der Lassallestraße sind ein Teil davon. Die Bike-City ist in aller Munde und es haben sich schon viele Menschen zum Wohnen angemeldet. Die Volksschule wird zurzeit gebaut. Seit Ende der 70er Jahre will die Stadt das Gelände erwerben und für die Wiener erschließen. Die Verhandlungen sind zäh und manchmal wird wieder ein Teil erschlossen. Die ÖBB weiß, dass das Gelände, weil innerstädtisch, sehr viel Geld wert sein kann. Das Leitbild, das Ende der 70er erstellt wurde, wird von Sabine Gretner, grüne Gemeinderätin für Stadtplanung in Wien, gelobt. Da standen durchaus ambitionierte Ziele in dem Papier. Leider ist bei der Umsetzung der Umweltgedanke bis jetzt zu kurz gekommen. Schlafstädte sollten vermieden werden, es sollten auch Büros und sonstige Einrichtungen zu Verfügung gestellt werden. Die Büros stehen nun im großen Stil an der Lassallestraße. Die Wohnungen werden nun wohl im hinteren Teil gebaut, von einer Durchmischung ist nichts mehr übrig geblieben.

Der große Park in einem zentralen Teil des Gebietes soll bepflanzt werden und dann wild verwachsen. Bis es soweit ist werden viele Jahrzehnte vergehen. Auf der anderen Seite des Nordbahnhofgeländes existiert derzeit schon ein derartiges Gebiet. Die Architektin Karin Zeitlhuber hat bei den zuständigen Behörden nachgefragt, warum der Park nicht dort geplant ist, wo schon Bestand von Wildwuchs vorhanden ist. Da sah sie überraschte Gesichter. Offensichtlich waren die Planer nicht vor Ort und haben keine Ahnung, was am Gelände passiert.

Das Publikum bei der "Frauen widersprechen…" Veranstaltung war ausgesprochen interessiert. Hier konnte man erkennen, dass die Menschen an ihrer Umgebung Anteil nehmen wollen. Sie wollen wissen, was in der unmittelbaren Nachbarschaft passiert. Und sie wollen mitbestimmen. Dementsprechend lebendig war das abschließende Brainstorming. Wir wollten wissen, was den Beteiligten zum Nordbahnhofgelände einfällt, und welche Wünsche sie diesbezüglich hätten. Der Input war groß und vielfältig. Über Niedrigenergiehäuser bis zu durchlässigen Wegen zum Volkertviertel und Praterstern. Die Menschen wollen freie Erdgeschosse, Dorfplätze, Plätze für Alte, Junge und Frauen. Sie wollen verschiedene Kulturen dort vereinen. Sie wollen so vieles, aber sie wollen nicht, dass dort genau so phantasielose Schlafstädte entstehen wie üblich.

Angesprochen ist auch die SPÖ aus dem Bezirk und der Bezirksvorsteher Kubik: das Nordbahnhofgelände ist eine Chance. Wir sollten sie nicht vergehen lassen, sondern mitbestimmen - die Zukunft des derzeitigen Dschungel mit U-Bahnanschluss.






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