Frauen widersprechen…
…der gängigen Drogenpolitik von schwarz-blau-orange-rot
09.10.2006 | Soziales/Gesundheit, Topstory, Stuwerviertel, Frauen
Letzten Donnerstag war eine interessante Diskussion in der Galerie vor Ort im Gange. Gabriele Gottwald-Nathaniel, Leiterin von „Treffpunkt“, der Drogenberatung und Spezialambulanz für Substitution in Wien und Heidi Cammerlander - Grüne Gemeinderätin, Schwerpunkt: Drogenpolitik - haben uns viel über Drogenkranke und den Umgang mit ihnen erzählt.
Prävention
Die österreichische, und im Besonderen die Wiener Drogenpolitik setzt zur Gänze auf Prävention. Es werden Vorkehrungen getroffen, dass nicht zu viele jungen Menschen den harten Drogen verfallen. Aufklärung kann nur nützen und ist sehr wichtig. Wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen in den Schulen mitbekommen, was passiert, wenn man Drogen nimmt. Wichtig, dass sie rechtzeitig Hilfe bekommen und auch wissen, wo sie diese Hilfe finden können, wenn sie sie brauchen.
Zu spät?
Was passiert aber mit jenen, die schon drogenabhängig sind? Schließlich kann man nicht alle erreichen, ein paar fallen immer durchs Netz. Leider! Aber wie damit umgehen?
Wien hat sich offensichtlich dazu entschlossen, diese Menschen einfach zu vergessen, zu verdrängen und sich selbst zu überlassen. Nun, ist natürlich auch eine Art auf Probleme zu reagieren, aber recht unmenschlich und zynisch, wie wir Grünen finden. Gabriele Gottwal-Nathaniel leitet den TREFFPUNKT und hat tagtäglich mit Drogenkranken zu tun. Sie weiß, was sie brauchen und was sie bräuchten, damit sie eine größere Chance haben, diese Krankheit zu überwinden, oder zumindest nicht daran 100%ig zu sterben.
Hilfe ist gefragt - Konsumräume
In vielen europäischen Ländern gibt es eine Einrichtung, die nennt sich „Konsumraum“. Hier finden Drogenabhängige einen sauberen, desinfizierten Raum, in dem Sie ihre Drogen gefahrlos konsumieren können. Anbei gibt es Beratung, Hilfe und Unterstützung. Dort können Drogenkranke ihre Spritzen tauschen und die alten werden entsorgt. Strenge Regeln verhindern Missbrauch der Örtlichkeit. Dieses Konzept braucht viele Beteiligte: Sozialarbeiter, Politiker und die Polizei müssen sich einig sein und gemeinsam den Weg der Unterstützung und Hilfe gehen. In der Schweiz, in Deutschland und in Holland existieren diese Konsumräume schon. Gemeinderätin Heidi Cammerlander hat sie besucht und sich kritisch damit auseinander gesetzt. Jetzt möchte sie das Konzept nach Wien bringen.
Wir leben alle hier
In diesem Fall, im Falle von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in den Drogensog gerieten und nun krank sind und die Hilfe der Politiker brauchen, damit sie richtig behandelt werden können, sollten wir helfen. Und auch wenn der Wahlkampf schon vorbei ist, trotzdem muss ich sagen, dass die Grüne Partei die einzige Partei ist, die nicht ausschließlich auf Prävention setzt, sondern auch auf Heilung von Drogenkranken. Eine Politik, die in Wien und in ganz Österreich schon lange fällig ist.
Nicht verdrängen, sondern helfen
Heidi Cammerlander hat gute Kontakte zu den Sozialeinrichtungen, und sie interessiert sich für die Meinungen von SpezialistInnen. Wenn sie reist, dann erkundigt sie sich in anderen Ländern, wie sie denn mit den Drogenkranken umgehen, und wie dort geholfen wird. Heidi Cammerlander schaut nicht weg, sondern hin und hat alleine deswegen schon mehr Ahnung von der Szene. Vielleicht hört einmal die Sozialdemokratie in Wien auf die Vorschläge der grünen Opposition und dann hätten die Drogenkranken eine Chance und die Gesellschaft ebenso!
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