07.03.2006 | Soziales/Gesundheit, Frauen
Ich kenne eine Frau, …
… die ist bei ihrem Mann geblieben, obwohl das Zusammenleben die Hölle war. Sie wusste nicht wohin mit den zwei Kindern. Deswegen hat sie ihn ertragen - ihr ganzes Leben lang.
Ich kenne eine Frau, …
… die konnte sich keine eigene Wohnung leisten, weil sie arbeitslos war. Deswegen ist sie von einem Mann zum nächsten gezogen und hat ihre sexuellen Dienste gegen ein Dach über den Kopf getauscht. So hätte sie es aber nie ausgedrückt.
Ich kenne eine Frau, …
… deren Mann sie mit den gemeinsamen Zwillingen sitzen ließ und keine Alimente zahlte. Deswegen zieht sie jetzt zwischen einer Freundin und ihrer Schwester hin und her. In beiden Fällen ist die kleine Familie nur leidlich gelitten.
Kennen Sie auch solche Frauen? Oder ist das sogar Ihre Situation? Frauen sind anders obdachlos als Männer. In diesem Zusammenhang spricht man auch von "von Wohnungslosigkeit bedrohten Frauen" oder auch von "versteckter Wohnungslosigkeit". Oft haben diese Frauen Kinder und tragen die Verantwortung für sie. Da braucht es mehr als lediglich ein Dach über dem Kopf. In anderen Fällen ist Arbeitslosigkeit der auslösende Moment. Auch schlecht bezahlte Jobs ziehen bei einer Kündigung Armut nach sich. Die Miete für eine Wohnung ist dann schnell nicht mehr leistbar.
Frauen helfen sich in solchen Fällen selber - wie so oft. Sie nehmen in solchen Fällen kaum staatliche Hilfe in Anspruch. Sie schlagen sich mit Hilfe von Freunden oder mittels wechselnder Partnerschaften durch.
Dabei gibt es Hilfe! Frauen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, können in der Fachstelle für Wohnungssicherung (Schiffamtsgasse 14, 3. Stock) Unterstützung und Hilfe durch Sozialarbeiterinnen finden. Auch am Bezirksamt (Karmelitergasse 9) werden Frauen mit Kindern vor der drohenden Obdachlosigkeit beraten und unterstützt. Zumindest zeigen diese Stellen eine Alternative zu den wechselnden Partnerschaften auf oder zum ewigen Besucherstatus bei Freundinnen.
Wenn das schlimmste tatsächlich passiert, und die Frau muss aus der eigenen Wohnung (vielleicht auch mit Kindern) ausziehen, dann ist es umso wichtiger, dass es Einrichtungen gibt, die die Frauen nach ihren Bedürfnissen betreuen. In Obdachlosenwohnheimen, auch wenn beide Geschlechter willkommen sind, sind diese Einrichtungen dennoch vorwiegend auf die Bedürfnisse von Männern ausgerichtet. Für Kinder gibt es in solchen Einrichtungen wenig bis keinen Platz. Frauen fühlen sich teilweise von den Männern bedroht und belästigt. Sie dienen dort - wie sonst auch - oft als Sexualobjekt und werden nicht in Ruhe gelassen.
Die Grünen stehen für ein ausgeprägteres Netz an Einrichtungen für von Wohnungslosigkeit bedrohten Frauen in Wien, die ihren geschlechtsspezifischen Bedürfnissen gerecht werden. Vor allem muss massive Aufklärung betrieben werden. Frauen sollten aus dem Dämmerzustand der Scham herausgeholt werden. In schwierige Situationen können wir alle kommen. Wie wir damit umgehen, das ist die Frage.
Oft sind Frauen nur einen begrenzten Zeitraum in diesen schwierigen Situationen. Sie brauchen einen Ort, an den sie sich zurückziehen können, an dem sie sich wieder sammeln können. Vor allem dürfen sie nicht in die Partnerschaft zu einem Mann gedrängt werden, denn aus dieser Zwangsituation lässt sich tatsächlich kein neues Leben gestalten.
Nicht nur, dass sie ihren eigenen Körper benutzen, weil sie oft keine andere Möglichkeit zu haben - Abhängigkeit von einem Mann und der scheinbare Mangel an freier Wahlmöglichkeit, lässt die Frauen psychisch leiden. Geben wir Frauen die Chance, Lebenskrisen in Würde zu meistern. Dann kann auch die tatsächlich drohende Obdachlosigkeit vermieden werden.