Augarten: Zum Plan eines "Hochsicherheits-Datencenters" in den Flaktürmen
09.04.2005 | Verkehr/Bezirksentwicklung, Demokratie, Augarten
Bericht vom "Augarten-Parlament", 16.02.2005 oder: "Warme Luft" in grosser Menge ?
Am 16.Februar sollte im "Augarten-Parlament" der Vertrag zwischen dem "Aktionsradius Augarten" und der Fa. "DCV" (Planungsgesellschaft für das projektierte "Hochsicherheites-Datencenter" in den Flaktürmen) vorgestellt werden, und zwar „ausführlich“, wie in den Aussendungen des Aktionsradius Augarten zu lesen stand.
Am Podium saßen (ohne Titel):
Hr Schreiber, Obmann des Aktionsradius Augarten (folgend kurz "AA")
RA ?, als Vertragserrichter
Fr. Mang, Planungsdirektorin der Bundesgärten
Hr. Beer, als "Burghauptmann" verantwortlich für den verwahrlosten Zustand der Flaktürme
Hr. Bleim, Projektleiter bei der DCV
Hr. Schimek, Wirtschaftsministerium
Hr Bleim ist kein Unbekannter: Lt. Profil war er bereits als Geschäftsführer für 2 Internetfirmen verantwortlich, die jetzt in Konkurs sind -- gegen die 2. Geschäftsführerin beider Unternehmen sind ua. Verfahren wegen fahrlässiger Krida anhängig.
Aus dem Vertrag selbst wurde nur auszugsweise und unter langatmiger Einleitung von dessen Errichter, zitiert, da der Inhalt des Vertrages einer Geheimhaltungsvereinbarung zwischen den Vertragsparteien unterliege, die seine Veröffentlichung, etwa im Internet, verbiete. In ermüdender Art und Weise wurde erläutert, welchen Themenbereichen bzw. Fragestellungen sich der Vertrag widmet, was konkret jedoch etwa die Definition der Vertragsziele bzw. Auswirkungen auf den Park betrifft, wurde nicht gesagt.
Klar wurde hingegen, dass der AA sich vertraglich verpflichtet hat, nicht gegen das Projekt aufzutreten, und das der "IG Augarten" als Gegenleistung dafür eine nicht unerhebliche Summe an Subventionen zufließen soll. Pikanterweise spielt Hr. Schreiber, der Obmann des AA, eine nicht unwesentliche Rolle in der ebendieser IG Augarten ...
Zum aktuellen Stand des Projektes konnten oder wollten kaum konkrete Angaben gemacht werden. Ständig wurde versucht, die mehrheitlich aufgebrachten Bürger mit dem Hinweis zu beruhigen, man könne noch "überhaupt nichts Konkretes" über das Projekt sagen, es gebe keine Pläne, kein Modell, nichts... Dies ist umso eigenartiger, als die DCV bereits mit einem Gang zum VwGh droht, sollte die Bewilligung durch das Bundesdenkmalamt noch länger verzögert werden...
Immerhin gelang es, dem "Projektleiter" Details zur Größe des Projektes zu entlocken: Man plane den Betrieb von 50.000 Computern, war da zu hören. Anmerkung: dies entspricht beim derzeitigen Stand der Technik (Tendenz: steigend) einem Stromverbrauch von ca. 50 Megawatt (inkl. Kühlaggregat) – mehr als alle Haushalte der Leopoldstadt zusammen dzt. Strom verbrauchen. Diese Werte wurden von Hrn. Bleim widerwillig bestätigt.
Da dieser gigantische Strombedarf zur Gänze in den Flaktürmen selbst in Wärme umgesetzt wird, muss diese abgeführt oder lokal in die Luft geblasen werden. Hiezu war nur zu erfahren, dass es kein Konzept gibt, was mit der riesigen Wärmemenge konkret geschehen wird.
Befragt man Techniker zur Situation, wird auch schnell klar, warum das so ist: Warme Luft in großer Menge (eine Metapher für das ganze Projekt ?...) eignet sich weder für Kraft-Wärme-Kopplung noch zu Speisung einer Gasturbine – damit fallen nahezu alle sinnvollen Energienutzungen weg – am wahrscheinlichsten erscheint derzeit, dass die gigantische Wärmemenge (sieht man von der Beheizung der auf den Flaktürmen geplanten aufgesetzten "3-4 stöckigen" Verwaltungsgebäude während der kalten Jahreszeit ab), sinnlos "verwärmt" in den Donaukanal geleitet werden soll.
Welche Baumassnahmen diese Leitungen vom Augarten zum Donaukanal erfordern, und welche Probleme die enorme Wärmemenge im Donaukanal, und dessen mit Geldmitteln des österreichischen Steuerzahlers mühsamst stabilisierten Ökosystem bringt, hat sich offenbar auch noch niemand überlegt.
Alles in allem bestätigen sich mehrere Dinge:
Der "Geheimvertrag" zwischen DCV und Aktionsradius Augarten ist eine höchst dubioses Konstrukt, der einerseits geeignet ist, politisch instrumentalisiert zu werden (Argumentation der politischen Befürworter, etwa im Bauverfahren: "sogar die Anrainer finden das Projekt gut!"); der AA erhält durch diese "Feigenblattfunktion" zumindest indirekte finanzielle Zuwendung
Das Projekt selbst hat einen dubiosen Projektleiter, unterliegt einer seltsamen Geheimhaltungspraxis (angeblich keine Pläne vorhanden, Drohung mit VwGh-Anrufung, und damit weitere Verschleppung und Vernebelung), und ist wegen des zu erwartenden Energieverbrauches und Emissionsproblems als großindustriell zu bezeichnen. (Daneben stellt sich die Frage, ob in Zeiten einer geplatzten Internet-Blase, Bedarf an der Einstellung von 50.000 Computern besteht, oder ob die DCV ähnlich verenden wird wie andere Firmen ihres Projektleiters...)
Details am Rande:
der bei der Versammlung ebenfalls anwesende Klubobmann der SPÖ Leopoldstadt, Kresimir Mladensich, wollte trotz Aufforderung aus dem Publikum zu den Plänen und Vorhaben rund um den Flakturm keine Stellungnahme abgeben, und amüsierte sich grinsend und feixend ob der teils aufgebrachten Debatte.
der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt war weder am Podium vertreten, noch anwesend, auch die ÖVP übte grosse Zurückhaltung...
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