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Martin Köck

Martin Köck
Themenbereiche:
Verkehr, Alternative Energien, Bezirksentwicklung

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Radsternfahrt 2006 - Nachlese

04.10.2006 | Topstory, Karmeliterviertel, Verkehr/Bezirksentwicklung, Rotensternviertel, Stuwerviertel, Volkertviertel, Alliiertenviertel

Am "autofreien Tag" fiel die Stadt Wien durch fehlende Aktionen zum Tag auf. Auch offizielle Bezirksaktivitäten der Leopoldstadt gab es keine. Die Wiener Grünen organisiertem an diesem Tag die "Radsternfahrt": einmal mit dem Rad ohne Behinderung durch Aut'ler quer durch die City und rundherum fahren ...


Äh, wann ist eigentlich der autofreie Tag ?

... wussten Sie es ?

Schon fast zur Institution geworden ist der alljährliche "autofreie Tag": Seit dem Jahr 2000 wird er europaweit am 22. September "begangen". Begangen ? Oder doch eher, dem Zeitgeist entsprechend, auto-"befahren" wie jeder andere Tag ? War es in den 70-er Jahren noch machbar, wegen der Öl-Krise einmal wöchentlich auf den fahrbaren Untersatz zu verzichten (die Generation 40+ erinnert sich...), scheint es heute nicht einmal mehr durchsetzbar, 1x jährlich einen Tag ohne Auto auch nur anzudenken. Die Verwaltung der Stadt Wien bemüht sich nach Kräften, diesen Tag zu ignorieren, und konsequenterweise gab es auch keine offiziellen Bezirks-Aktivitäten in der Leopoldstadt an diesem Tag.

Ein kleines (?) Dorf leistet Widerstand...

Keine Aktivitäten ? Die Wiener Grünen haben an diesem Tag die Fahrradsternfahrt organisiert: Aus allen Teilen Wiens kamen die Routen am Karlsplatz zusammen, um dann gemeinsam über den Ring und durch die City zu fahren. Schon die Route von der Leopoldstadt zum Karlsplatz war dabei bewusst durch die Innenstadt gewählt: Wie viele andere angrenzende Bezirke ist die Leopoldstadt vom nicht existenten Verkehrskonzept der City betroffen, führen doch sehr viele Fahrten typischerweise in die Bezirke 3-9, und somit oft die kürzeste Verbindung quer durch die City. Der Ringradweg ist selten eine gute Alternative: erstens ist er meist ein Umweg, und zweitens höchst unfallträchtig, wie die Statistik beweist [1]

Jo, deafn's denn des ?

Vor staunenden Touristen bei Melange und Torte wurde die Rotenturmstrasse (gegen die derzeitige Einbahnrichtung, huch!) zum Stefansplatz befahren, und dort durch ebenso staunende Touristenströme die Fussgängerzone am Dom vorbei, in den Graben, weiter durch die Spiegelgasse. Trotz dichtestem Fussgängerverkehr (Freitag nachmittag, Vorwahlzeit...) verlieft die Fahrt -- wie erwartet -- ohne jeden Zwischenfall.

Wie vertragen sich flanierende FussgängerInnen mit RadfahrerInnen ?

Oft wird den Grünen vorgehalten, sie würden mit ihrer Forderung "Radfahren in den Fussgängerzonen" Konflikte zwischen "rasenden" Radfahrern und Fussgängern provozieren. Wahr ist, dass Wir Grünen grundsätzlich für ein Befahren der Fuzo's eintreten, und uns sehr wohl Gedanken über mögliche Konflikte gemacht haben.

Trennung von langsamen und schnellen RadfahrerInnen

Es ist klar, dass bei grosser Fussgängerfrequenz das Befahren mit dem Fahrrad nur langsam und vorsichtig möglich sein wird, wobei es vermutlich auch Sonder-Situationen geben wird, in denen RadfahrerInnen in Fuzos absteigen und schieben müssen. Daher wird es notwendig sein, parallel zu Fuzos Routen zu öffnen, in denen schnelle RadfahrerInnen die Fuzos umfahren können.

... am Beispiel Kohlmarkt

Ein gutes Beispiel hiezu wäre der Kohlmarkt: Für langsame Radler meistens durchaus geeignet (die angrenzende Fuzo Tuchlauben ist für Radler geöffnet und es gibt dort seit Beginn der Öffnung keine Konflikte ...), könnte der Kohlmarkt bei hoher Fussgängerfrequenz (sowie von schnellen RadfahrerInnen  generell) durch die Route "Graben-Habsburgergasse" umfahren werden... wenn, ja wenn nicht die überbreite Taxi-und Fiakerroute Habsburgergasse wie seit 50 Jahren noch immer -- auch für RadfahrerInnen -- eine Einbahn Richtung Graben wäre...

Fehlendes Verkehrskonzept in der City ...

An diesem Beispiel zeigt sich einmal mehr das fehlende Verkehrskonzept der City: Seit der Eröffnung der Fuzos vor 30 Jahren hat sich nichts mehr getan, es gibt bis heute keine legalen Fahrrad-Durchfahrtsrouten von den Westbezirken 6-8 in die Leopoldstadt. Gleichzeitig gibt es allgemeine Verwunderung über die enormen Automengen, die in der City durch die kleinsten Gassln gurken und mit Lärm, Gestank und exzessivem Platzverbrauch zu einem dieserart unlösbaren Problem geworden sind. Dieser Zustand ist unerträglich und unwürdig. Die überfällige Attraktivierung der City für RadfahrerInnen und somit Schaffung einer Alternative zum Auto würde einen erheblichen Beitrag zur Attraktivierung der City insgesamt leisten !

...und nicht nur dort. Oder: Was kann die Leopoldstadt zu einer Änderung der Situation in der City beitragen ?

Eines haben wir von den Strassenbauern gelernt: Salamitaktik führt meist zum Erfolg. Man baut ein Stück Strasse und hofft, dass sie weitergebaut wird. Auf die Leopoldstadt/City umgelegt heisst das zb: Überfällig wäre der Bau einer Radverkehrseinrichtung in der Lilienbrunngasse [2], die logische Verlängerung wäre dann die Rotenturmstrasse.

Was kann ich tun ?

Wenn Sie mit der bestehenden Situation als RadfahrerIn unzufrieden sind, bieten sich einige Wege an:

  • schreiben/mailen Sie uns Ihre Verbesserungsvorschläge
  • nehmen Sie Kontakt mit den BezirksvorsteherInnen der City (TelNr 4000 01 114) und der Leopoldstadt (TelNr 4000 02 114) auf. Mailadressen siehe www.wien.gv.at.
  • animieren Sie Freunde, Bekannte zum Radfahren. Es ist ungefährlicher als Sie vielleicht glauben [3], und auch von Abgasen und Feinstaub weniger betroffen als es scheint [4]

 

[1] Nach einer kürzlich von der MA46 veröffentlichten Studie liegen nahezu alle Unfallhäufungspunkte in Wien am Rad-Ring-Rund. Das Problem besteht dabei weniger zwischen RadlerInnen und kamerabehängten TouristInnen, als vielmehr im fehlenden Sichtkontakt mit den Radweg-kreuzenden Autlern.

[2] Ein Konzept dazu haben wir vor mittlerweile fast einem Jahr vorgelegt ... passiert ist seither genau nichts. Mehr dazu bald hier.

[3] Radfahren ist erheblich ungefährlicher, als es scheint: So ist das relative Unfallrisiko (also pro "Personenkilometer") wesentlich geringer als beim Zufuss-Gehen, aber auch geringer als beim Autofahren.

[4] Die vom motorisierten Verkehr emittierten Abgase (inkl. Feinstaub) sammeln sich typischerweise mit einer Häufung in einer Höhe von ca. einem halben Meter und darunter. Daher sind besonders betroffen davon: Kleine Kinder, insb. auch Kinder in Kinderwägen, sowie AutofahrerInnen, weil die Ansaugöffnungen der Belüftung sich typischerweise in dieser Höhe befindet. RadfahrerInnen sitzen typischerweise höher und atmen somit die Luft in einer Höhe mit zt. erheblich geringeren Schadstoffwerten. Daneben gibt es Untersuchungen, dass der Körper bei gesteigertem Luftumsatz mit Schadstoffen besser fertig wird als bei flacher Atmung.






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