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Martin Köck

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Themenbereiche:
Verkehr, Alternative Energien, Bezirksentwicklung

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Wieder eine schwer verletzte Fussgängerin am geregelten "Schutzweg"

04.08.2007 | Topstory, Karmeliterviertel, Verkehr/Bezirksentwicklung

Am 25.Juli wurde am ampelgeregelten "Schutzweg" Obere Donaustrasse/ Salztorbrücke eine Fussgängerin von einem Autofahrer erfasst und schwer verletzt ...


Aggressive, doppelspurige Linksabbiege-Lösung: Extreme Gefahr für Fussgänger am "Schutzweg".

Überfahren am Rande einer Autobahn

Die Obere Donaustrasse, mittlerweile tw. als 3-spurige Einbahn (im Kreuzungsbereich noch mehr...) ausgebaut, gehört zu den am stärksten und am schnellsten befahrenen Strassenzügen im Bezirk, und die verantwortlichen SP-Politiker tun alles, um den Autobahncharakter möglichst noch zu verstärken. 

Erst jüngst wurde ein 500m langer Zaun entlang der Strasse installiert - wir berichteten darüber (solche Massnahmen wirken nachweislich geschwindigkeitserhöhend), Geschwindigkeitskontrollen gibt es grundsätzlich keine, gefahren wird was der Seitenabstand zu den Kollegen rechts und links halt so erlaubt.

So verwundert der jüngste schreckliche Unfall wenig. Dennoch lohnt ein genauerer Blick auf die Ursachen...

 

Ursachenforschung im Umfeld ...

sieht man sich das völlig unnötig aufgeweitete Kreuzungsplateau Donaustrasse/ Salztorbrücke (bis zu 15m lange Fussgängerübergänge...) genauer an, fällt auf, dass die Fahr-Relation, in der der Unfall passiert ist, eigentlich nicht in einer wirklich stark befahreren Verbindung liegt. Linksabbiegende Fahrzeuge vom Donaukanal kommend können hier:

  • am Donaukanal "umdrehen", dh auf der anderen Seite wieder zurückfahren
  • in die verkehrsberuhigte T30-Zone des ersten Bezirkes einfahren

beides, sollte man glauben, nicht unbedingt, eine Verbindung, die eine doppelspurige Links-Abbiegerelation erfordert ...

 

doch Wien ist anders ...

Die doppelspurige Abbiege-Verbindung vom Donaukanal erlaubt es Autofahrern, nebeneinander und mit hoher Geschwindigkeit auf die Brücke einzubiegen. Nebenbei wird dabei oft auch noch der Radstreifen blockiert, dessen Markierung nach der letzten Sanierung vorsichtshalber gar nicht mehr erneuert wurde (auf dem Foto ist er als kurzes "Stricherl" in Vordergrund angedeutet sichtbar): "Wird eh ignoriert", denken sich die verantwortlichen Bezirks-Politiker offenbar hier...

 

Forderungen

Unsere kurzfristige Minimal-Forderung ist die Änderung der Spurensignalisierung im Unfallbereich: Umwidmung der mittleren Fahrspur in eine reine Geradeaus-Spur, wodurch wenigstens die doppelspurige Abbiegerei ein Ende hätte (die Aufstellfläche auf der Brücke bliebe dabei 2-spurig erhalten, dh es wäre mit keinen zusätzlichen Staus zu rechnen).

Mittelfristig wäre wohl eine bauliche Umgestaltung der Kreuzungsfläche hoch an der Zeit: In unserem Konzept "Rückbaumassnahmen als Kompensation für die Volksgarage Manes-Sperber-Park", unter "Konzepte" hier auf unserer Homepage einsehbar, ist eine Neugestaltung der dzt hauptsächlich als riesiger Parkplatz genützte "Hollandstrasse" ein Punkt unter vielen, wie die Situation für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer attraktiver und ungefährlicher gemacht werden könnte, der Kreuzungsbereich mit dem Donaukanal gehört da natürlich auch dazu ... "könnte" ist angebracht, denn Hr. Bezirksvorsteher Kubik hat schon abgewunken ... Neugestaltung der Hollandstrasse -- kein Thema.

 

Grundsätzliche und langfristige Überlegungen zu mehrspurigen Einbahnen im verbauten Gebiet

Es klingt vielleicht ungewohnt: Mehrspurige Einbahnen sind ein Produkt der Verkehrsplanung der 70-er Jahre des vorigen Jahrtausends, und mit einer "umweltfreundlichen Stadt der kurzen Wege" unvereinbar. Einbahnen verlängern allgemein die durchschnittlichen Wege um 10-20%, und erhöhen die Geschwindigkeiten, vor allem die Spitzengeschwindigkeiten, und damit die schweren Unfälle, für mehrspurige Einbahnen gilt dies umso mehr.

Auch wenn sich heute kaum jemand mehr daran erinnert: Am Ring wurde im Jahr 1972 der bis dahin gegenläufige Verkehr als 3-spurige Einbahn organisiert, und im Zusammenhang mit dieser Umstellung auch viele andere Hauptstrassen, wie zb die Donaukanal-Begleitstrassen an beiden Ufern ...

Auch wenn das heute noch utopisch klingt: Eine echte Verkehrsberuhigung, die diesen Namen verdient, hängt ua. vom Rückbau solcher Lösungen ab ... in Deutschland und der Schweiz unter dem Begriff "Auflösung von City-Ringen" bekannt und vielerorts schon erfolgreich durchgeführt, ist Wien auch hier wieder mal anders: mehrspurige Einbahnen werden eher neu eingerichtet als zurückgebaut, und immer autobahnähnlicher ausgebaut, internationale Erkenntnisse ignoriert. Die Verantwortlichen dafür kennen wir ... es wird Zeit, sie abzuwählen, denn Anzeichen für Änderung gibt es nicht :-(

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